Morbus Bechterew

Warum wirken manche Biologika bei Morbus Bechterew nicht?

Ein Grazer Forschungsprojekt geht einer zentralen Frage auf den Grund

Biologika haben die Behandlung der axialen Spondyloarthritis (Morbus Bechterew) revolutioniert. Doch eine Sache stellt die Wissenschaft vor ein Rätsel: Während Medikamente, die den Botenstoff Interleukin-17 (IL-17) blockieren, bei Patientinnen und Patienten sehr gut wirken, zeigen Biologika gegen den Botenstoff Interleukin-23 (IL-23) oft keine Wirkung. Und das, obwohl IL-23 im Tierversuch als Haupttreiber der Entzündung galt. Wie kann das sein? Ein Forschungsteam an der Medizinischen Universität Graz möchte diese Frage nun erstmals direkt beim Menschen klären.

Die Bedeutung der Erkrankung in Österreich

Der Morbus Bechterew ist eine häufige entzündlich-rheumatische Erkrankung. Je nach Häufigkeit des Gens HLA-B27 sind etwa 0,1 bis 1,4 % der Bevölkerung betroffen. Umgelegt auf Österreich bedeutet das: Rund 36.000 bis 45.000 Menschen leben hierzulande mit dieser Diagnose.
Bei den meisten Betroffenen beginnt die Erkrankung mit einer Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke (Iliosakralgelenke), bevor sie im Laufe von Monaten oder Jahren auf die Wirbelsäule übergreift. Das Kreuzdarmbeingelenk ist somit das Zentrum des Entzündungsgeschehens:

Mensch und Tierversuch: Wo liegt der Unterschied?

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Bisher stammte unser Wissen über die Entzündungsprozesse weitgehend aus Tierversuchen an Mäusen und Ratten. Dort zeigte sich, dass bestimmte Immunzellen (T-Lymphozyten) in den entzündeten Bereichen die Botenstoffe IL-23, IL-17 und den Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNFa) bilden. Im Tierversuch kurbelt IL-23 die Entstehung der anderen beiden Stoffe an – er ist gewissermaßen der „Motor“ der Entzündung.
Doch beim Menschen scheint dieser Mechanismus anders abzulaufen: Dass die Blockade von IL-23 bei Morbus-Bechterew-Patienten wirkungslos bleibt, zeigt, dass wir die genauen Abläufe im menschlichen Körper noch besser verstehen müssen.

Die Forschungsfragen des Projekts
Mit der Studie „Expression von Interleukin-23 und des Interleukin-23 Rezeptors im Iliosakralgelenk bei Patienten mit axialer Spondyloarthritis“ untersucht das Team in Graz zwei Hauptthesen:
-> Fragestellung 1: Finden sich in den entzündeten Stellen des Kreuzdarmbeingelenks von Bechterew-Patienten tatsächlich mehr Immunzellen (wie T-Lymphozyten oder spezielle zelluläre Untergruppen) als bei gesunden Menschen?

-> Fragestellung 2: Produzieren diese Immunzellen beim Menschen möglicherweise gar nicht ausreichend IL-23 bzw. fehlen die passenden „Fühler“ (die IL-23-Rezeptoren)? Das würde erklären, warum eine Blockade dieses Botenstoffs beim Menschen ins Leere läuft.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Für die Studie werden Patientinnen und Patienten mit diagnostiziertem Morbus Bechterew gesucht, bei denen aktuell eine Entzündung des Kreuzdarmbeingelenks vermutet wird:

1. MRT-Untersuchung: Zunächst wird mittels Magnetresonanztomographie geprüft, ob eine aktive Entzündung vorliegt.

2. Schonende Probenentnahme: Bestätigt sich der Verdacht, wird unter örtlicher Betäubung eine kleine Probe aus dem entzündeten sowie aus einem nicht-entzündeten Bereich des Gelenks entnommen. Um höchste Präzision und Sicherheit zu gewährleisten, wird dieser Eingriff präzise per Computertomographie (CT) von erfahrenen Radiologen gesteuert.

3. Möglicher Therapievorteil für Teilnehmende: Im Anschluss an die Probenentnahme können die Patientinnen und Patienten auf Wunsch eine Injektion mit Kortison (Triamcinolonacetonid) direkt in das Gelenk erhalten. Dies kann zu einer deutlichen Entzündungshemmung und Schmerzreduktion von bis zu neun Monaten führen.

Die Gewebeproben werden direkt im Labor auf die vorhandenen Immunzellen und Botenstoffe analysiert. Das Projekt ist von der Ethikkommission der Medizinischen Universität Graz offiziell bewilligt.

Ihre Mithilfe ist gefragt!

Die Forschungsarbeiten werden in enger Zusammenarbeit der Klinischen Abteilung für Rheumatologie und Immunologie, der Universitätsklinik für Radiologie und der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Med Uni Graz durchgeführt.

Aufruf an Betroffene:

Wir sind auf die Mitwirkung von Patientinnen und Patienten angewiesen! Wenn bei Ihnen Morbus Bechterew diagnostiziert wurde und aktuell eine Entzündung des Kreuzdarmbeingelenks vermutet wird (oder im MRT bereits sichtbar ist), freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme und Ihre Bereitschaft zur Studienteilnahme.

Bitte melden Sie sich unter den folgenden Telefonnummern:

0316/385-16853 (Studienkoordination)

0316/385-13439 (Ambulanzsekretariat)

Bitte rechnen Sie mit einem Zeitaufwand von einem halben Tag. Als Aufwandentschädigung können wir Ihnen einen Betrag von € 500,- zur Verfügung stellen.

Priv.-Doz. Dr. Josef Hermann
Klinische Abteilung für Rheumatologie und Immunologie
Universitätsklinik für Innere Medizin
Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 15
8036 Graz