Morbus Bechterew

Eine USA-Reise mit Morbus Bechterew

Warum ist es für uns Bechti´s so schwer zu verreisen ?


Ich bin im knackigen Alter von 50 Jahren und mein Begleiter ist der Morbus Bechterew und seine Freundin die rheumatoide Arthritis. Wir waren gemeinsam für 11 Monate in Tennessee, USA. Der Flug von Klagenfurt nach Halifax, Kanada dauerte 25 Stunden und dann ging es mit dem Auto 2700 km entlang der Ostküste nach Tennessee.
Hier erzähle ich euch meine Erfahrungen und ein wenig von meiner Reise.

Für diese Reise benötigte ich alle 2 Wochen Enbrel 50mg, Schmerzmittel und noch andere Kleinigkeiten. Die Auflistung meiner Medikamente entsprach nicht mehr einer typischen Reiseapotheke im herkömmlichen Sinn!
In der Vorbereitungszeit von 7 Monaten mussten folgende Punkte abgeklärt werden:

  • Auslandskrankenversicherung
  • Medikamente für 11 Monate
  • Transport-Kühlung der Enbrel 50mg Fertigpen
  • Zollbescheinigung und ärztliche Atteste
  • Airline und Sicherheitskontrollen
  • BMEIA - Außenministerium Österreich

Auslandskrankenversicherung für chronisch Kranke

Österreich hat kein Kranken-Versicherungsabkommen mit den USA und Kanada, laut Auskunft der Österreichischen Gesundheitskasse. Da ich eine berufliche Reise machte, fielen die privaten Krankenversicherungen für Freizeitreisen weg. Es gibt viele Angebote für große einmalige Reisen oder monatliche Krankenversicherungen für Kurzreisen, jedoch nicht immer für chronisch Kranke. Ich wurde nach 2 Absagen, bei der Donauversicherung AG fündig. Die Auslandskrankenversicherung inkl. SOS-Rückholung nach Österreich kostete € 75,00 per Monat für ein Jahr.
Wichtig ist auf alle Fälle, dass in den USA nicht das gleiche Krankenversicherungssystem wie bei uns ist. Wenn eine Leistung in Anspruch genommen wird, dann muss diese meistens vorab auch bezahlt werden. Auf alle Fälle sollte bei einer Reise in die USA das Giro-Konto gut abgedeckt sein! Die Kreditkarte ist der beste Freund der Amerikaner und somit für die Erste-Hilfe-Behandlung dringend erforderlich.

Quelle: https://www.donauversicherung.at/privatkunden/gesundheit/auslandsreise-krankenversicherung

Abflug Wien

Medikamente für 11 Monate

Mein erster Gedanke war das Biologika direkt in den USA zu besorgen. Dieser Gedanke hätte mich mind. US $1800 plus Rezeptkosten und Arztkosten per Monat im voraus gekostet. Die österreichische Krankenkasse rechnet die ausländischen Medikamentenrechnungen mit Inlandskosten ab.
In diesem Fall musste ich mich mit meinen Ärzten – praktischer Arzt und Fachärztin beraten. Mein Arzt reichte ein Ansuchen meiner benötigten Medikamente für die Dauer des Aufenthaltes in den USA beim Chefarzt der zuständigen Krankenkasse ein. Mit Hilfe meiner ÄrztIn konnte ich alle Medikamente besorgen. Bei Infusionen sieht die Beschaffung etwas anders aus. Hier muss ein Arzt vor Ort aufgesucht werden und dann wird die allgemeine Vorbereitung noch intensiver!
Wir wissen alle, wie kostenintensiv die Biologikas sind und deshalb ist ein offenes Arztgespräch immer zielführend.
Die Medikamente sind und bleiben, für uns Bechtis, ein großes Stück Freiheit und Selbständigkeit.

Transport-Kühlung für Biologika Enbrel

Die ideale Kühltemperatur für Biologika ist zwischen 2°C und 8°C, laut Hersteller. Mit diesem Thema: Kühltransport habe ich mich sehr auseinander gesetzt.
Die Möglichkeit von einem Medikamenten Transport weltweit fand ich bei DHL – medical express worldwide. Die Kosten in die USA von ca. € 100,00 waren voll in Ordnung. Der Haken lag an der Versanddauer von 2 Werktagen + Risiko + Selbstverantwortung der Medikamentenkühlung. Leider stellt DHL keine spezielle Kühlbox zur Verfügung.
Die üblichen Medikamenten-Kühltransport-Taschen sind für eine längere Kühldauer nicht geeignet.
Schließlich wurde ich bei der Firma Artemed products GmbH fündig. Die Medikamenten-Kühltasche „Cool Safe Kühltrolley“ habe ich nach einem Beratungsgespräch auch für € 418,00 inkl. Gelakkus gekauft. Die Herausforderung war: das Enbrel für 25 Stunden durchgehend mit einer Temperatur von 2°C bis 8°C zu kühlen!
Der Kühltrolley mit 10 Stück 200ml Gelakkus erfüllte für meine Reise leider nicht den versprochenen Erfolg. Um den Kühltrolley zu testen, baute ich eigene Dummys und benutzte ein Thermometer mit Sensor. Schließlich hing mein Aufenthalt vom Erfolg dieser Kühltasche ab! Ich spielte alle Sicherheitskontrollen am Flughafen durch. Das Öffnen der Tasche und mit eventueller Entnahme der Medikamente, sowie der gefrorenen Gelakkus. Vielleicht fangen Sie jetzt auch zum Schmunzeln an…. Oh ja, ich bin auch nachts aufgestanden und habe den Zeitablauf genau eingehalten. Mit Erfolg! Den Kühltrolley musste ich zusätzlich mit einer Isolierfolie: Doppelt-Alu-Luftpolsterfolie 4mm abdichten. Die Gelakkus wickelte ich auch noch in Zeitungspapier ein und steckte diese in Baumwollsocken. Diese Maßnahmen brachten die notwendige Sicherheit, das Biologika sicher gekühlt für 25 Stunden + Reserve zu transportieren. Eine genaue Vorbereitung war für diese Reise wichtig.

Quelle: https://www.pfizer.at/unternehmen/rezeptpflichtige-medikamente/enbrel/

Zollbescheinigung und ärztliche Atteste

Für die Einreise in die USA und Kanada benötigt man nicht nur eine Reisegenehmigung (ESTA, ETA ) bzw. Aufenthaltsgenehmigung (Visum), sondern auch eine Bescheinigung der Medikamente für den Zoll. Wichtig ist von der FDA – Food and Drug Administration die Bestätigung - „clinical review“ für jedes mitgeführte Medikament. FDA ist die Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten. Damit wird bestätigt, dass die mitgeführten Medikamente in den USA eine Anmeldenummer - „application number“ besitzen und somit legal sind! Die Menge ist für 3 Monate begrenzt, laut FDA.
Zusätzlich besorgte ich mir noch die ärztlichen Atteste. Ein Beispiel liegt hier zum Download bereit. Ein Tipp von einem Arzt: „umso mehr Stempel auf dem Attest sind, desto wichtiger ist das Schreiben für die Behörde in den USA“. Nun, die Amerikaner lieben die Übertreibung, deshalb mind. 2 Stempel pro Attest! Ich habe noch ein allgemeines Schreiben von meiner Ärztin für z.B den Bluttest aufgesetzt. Absichern war meine Devise.

Quelle: https://www.accessdata.fda.gov/scripts/cder/daf/index.cfm

Airline und Sicherheitskontrolle

Hier gehen die Meinung ein wenig auseinander, doch ich habe die Air Canada kontaktiert und ebenso die Sicherheitskontrolle in Klagenfurt. Die Airline Bestimmungen für Handgepäck können variieren. In meinen Fall war der Kühltrolley etwas größer als das erlaubte Standard-Handgepäck bei Air Canada. Zusätzlich hatte ich ja noch 10 Stück mit 200ml Gelakkus = 2 Liter Flüssigkeit plus die Fertigpen in Originalverpackung. Die Sicherheitskontrolle am Flughafen in Klagenfurt informierte ich über den Inhalt des Kühltrolleys. So gab es beim Abflug keine Überraschung für mich und ebenso nicht für die Beamten vor Ort.
Die Mail-Korrespondenz mit Air Canada war für mich sehr erfreulich. Ich durfte mit der Gruppe „Personen mit Behinderung“ an Board. Das Verstauen des Kühltrolleys benötigte mehr Zeit und auch ein wenig mehr Platz in den Staufächern.

Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten

Der Link für das Außenministerium – Leben im Ausland war für mich eine Information wert. Ich habe mich auf der Website registrieren lassen, da mein Aufenthalt länger als 3 Monate war. Auf alle Fälle war es ein wenig Sicherheit, dass man auch über Warnhinweise bzw. Versicherungsschutz vor Ort informiert werden sollte.

Quelle: https://www.bmeia.gv.at/reise-services/auslandsservice/

Nach einer erfolgreichen Landung in Halifax - Kanada ging es weiter....

Verfasser - the traveller